12 Tipps bei Histaminintoleranz

12 Küchentipps bei Histaminintoleranz

12 Küchentipps bei Histaminintoleranz

Frische ist oberstes Gebot bei Histaminintoleranz

Bei Histaminintoleranz gibt es nichts Wichtigeres als frische Nahrungsmittel. Alle lang haltbaren Lebensmittel sollten vermieden werden. Dies gilt besonders für alten Käse, viele fermentierte Lebensmittel, Fisch und Fleisch in Dosen.

Es gibt gute Lebensmittellisten (1), bei denen sich nachschauen lässt, ob ein Lebensmittel stark histaminhaltig oder ein Histaminliberator ist.

Ich möchte hier noch einmal auf meinen Artikel zu Listen bei Nahrungsmittelintoleranzen (2) hinweisen. Nur vermeiden was möglich ist, führt in der Regel nicht zum Ziel.

Doch jetzt geht es zur praktischen Umsetzung:

Kälte verringert die Histaminbildung

Kälte verringert die Histaminbildung

 

1. Kühlschrank auf 5 Grad oder tiefer einstellen

Um die Frische möglichst lange zu bewahren, müssen Lebensmittel, die biogene Amine, wie Histamin enthalten, gut gekühlt werden. Daher sollte der Kühlschrank auf 5 Grad Celcius oder tiefer eingestellt werden.

Das Fach über dem Gemüsefach ist in der Regel das kälteste Fach im Kühlschrank, dahin gehören besonders schnell verderbliche Lebensmittel, wie Fleisch und Wurst.

2. Kühlkette einhalten

Kühlkette einhalten bedeutet, dass das gefrorene oder gekühlte Lebensmittel auf dem Weg vom Hersteller zum Verbraucher nicht zu stark erwärmt wird. Ob in den Läden die Kühlkette eingehalten wird, können wir kaum sehen. Es gibt aber einige Hinweise. Wenn bei Tiefgefrorenem eine gefrorene Wasser- oder Eisschichtschicht auffällt, kann man davon ausgehen, dass dieses Lebensmittel schon einmal angetaut war.

Auch wenn die Tiefkühltruhen in den Läden oberhalb der Markierung befüllt sind oder man seitlich gar keine Markierung sehen kann, weil sie entfernt wurde, sollte man das Lebensmittel dort lieber nicht kaufen.

Ob wir nach dem Kauf und bis unserem Zuhause die Kühlkette einhalten, liegt in unserer Verantwortung. Bei mir haben sich Kühltaschen mit Gefrierakkus bewährt, im Sommer auch gerne eine große Kühlbox mit Zigarettenanzünderstecker für das Auto.

Besonders auf Reisen möchte ich auf meine elektrische Kühlbox nicht verzichten. Packe ich da einen großen Kühlakku von der Tiefkühltruhe und einige kleinere herein, ist mein mitgenommenes Fleisch auch noch nach acht Stunden Fahrt gut durchgefroren.

3. Gefrorenes innerhalb der Mindesthaltbarkeit verzehren

Auch das Gefrieren verhindert nicht die Histaminbildung, es verzögert sie nur. Daher ist es wichtig, das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Tiefgefrorenem im Auge zu behalten. Friert man sich Fleisch selber ein, sollte man das Datum aufschreiben und sich vorher informieren, wie lange diese Fleischsorte tiefgefroren haltbar ist.

Eine kurze und schnelle Zubereitung kann die Histaminentwicklung verringern

Eine kurze und schnelle Zubereitung kann die Histaminentwicklung verringern

4. Erhitzen und Abkühlen lassen: immer sehr kurz und schnell

Am schnellsten wird Histamin im lauwarmen und warmen Temperaturbereich gebildet. Daher ist es bei Resteverwertung und beim Vorratskochen wichtig, Lebensmittel schnell zu erhitzen und auch schnell wieder abzukühlen.

Am besten kann man Lebensmittel abkühlen lassen, indem man sie in kleine Portionsgefäße füllt und im Winter nach draußen stellt.

Heiße Sachen in den Kühlschrank zu stellen ist kontraproduktiv für die anderen zu kühlenden Lebensmittel und eine massive Energieverschwendung. Dann kann man besser die kleinen Portionen in kaltes (Eis-)wasser geben und sie anschließend in den Kühlschrank geben.

5. Schnellkochtopf anstatt Slow Cooker

Bei Histaminintoleranz sind die momentan so modernen und praktischen Slowcooker nicht zu empfehlen. Sie garen über Stunden bei genau den Temperaturen, die die Histaminbildung besonders fördern. Stattdessen ist ein Schnellkochtopf bei Histaminintoleranz besonders zu empfehlen. Er baut schnell Druck und Hitze auf und die Garzeiten verkürzen sich rapide.

6. Kein Niedrigtemperaturgaren

Niedrigtemperaturgaren ist ebenfalls nicht empfehlenswert bei Histaminintoleranz. Auch hier wird für Stunden ein Temperaturbereich eingehalten, der optimal für die Bildung von Histamin ist. Und gerade dies wollen wir ja vermeiden.

7. Fleisch und Fisch gut abwaschen vor dem Garen

An der Oberfläche von Fleisch und Fisch sitzen besonders viele histaminbildende Bakterien. Da Histamin wasserlöslich ist, ist es vorteilhaft Fisch und Fleisch vor der Zubereitung unter fließendem Wasser abzuwaschen und mit Küchenpapier zu trocknen.

 

Der Schnellkochtopf ist eine große Hilfe bei Histaminintoleranz

Der Schnellkochtopf ist eine große Hilfe bei Histaminintoleranz

 

8. Auftauen: besser sofort in den Topf

Langes Auftauen kann die Histaminbildung fördern. Daher ist es besser, das Fleisch oder den Fisch direkt gefroren zu verwenden. Im Schnellkochtopf ist dies kein Problem und auch im Backofen funktioniert diese Vorgehensweise.

Muss etwas vorher auf- oder angetaut werden, dann kann man es in der Plastikverpackung in heißes Wasser geben. Allerdings kann man dann nicht sicher sein, wieviel schädliche Stoffe sich dabei aus der Plastikverpackung lösen und in das Lebensmittel übergehen. Ein kurzes Antauen im Kühlschrank oder die Schnellauftaufunktion der Mikrowelle sind mögliche Alternativen.

9. Vorsicht bei Fermenten

Fermentierte Gemüse, wie milchsauer vergorenes Sauerkraut, sind eigentlich sehr gesund. Leider weiß niemand genau, wieviel Histamin sich während der Fermentierung gebildet hat. Allgemein soll eine längere Fermentierung Histamine auch wieder abbauen. Ob es wirklich dazu kommt, weiß man nicht. Man sollte sich an fermentiertes Gemüse daher nur in Minischritten wagen und die eigenen Reaktionen gut beobachten.

10. Lebensmittel aus der Kühltheke

Kühltheken werden in der Regel so eingeräumt, dass die Lebensmittel mit dem kürzesten Verfallsdatum vorne stehen. Menschen mit Histaminintoleranz sollten sich in Kühltheken daher eher nach hinten orientieren und zu den Produkten mit dem längsten Verfallsdatum greifen.

Frische ist das wichtigste bei Histaminintoleranz

Frische ist das wichtigste bei Histaminintoleranz

11. Fleisch

Unter Schutzatmosphäre verpacktes Fleisch kann sehr histaminbelastet sein.

Bei Fleisch sollte man sich erkundigen, wann das Tier geschlachtet wurde und so einkaufen, dass man am nahest möglichen Zeitpunkt zum Schlachttermin kauft.

Je stärker zerkleinert Fleisch ist, desto größer ist die Oberfläche und desto mehr Angriffsfläche haben histaminbildende Bakterien.

Geschnetzeltes und Gulasch schneidet man sich daher am besten selbst. Hackfleisch wolft man selbst oder lässt es sich frisch beim Metzger durchwolfen und verarbeitet es unverzüglich.

12. Fisch

Gefroren gekaufter Fisch, der sofort und ohne langes Auftauen zubereitet wird, ist für viele Menschen mit Histaminintoleranz verträglich. Wie immer muss die eigene Schwelle beachtet werden.

Frischer Fisch sollte quasi direkt vom Kutter gekauft und sofort gut gekühlt nach Hause gebracht und zubereitet werden. Fisch von einer Fischtheke oder einem Marktstand, besonders im Landesinneren, sollte besser vermieden werden.

Ein Fischvergiftung ist übrigens eine heftige Histaminvergiftung durch verdorbenen Fisch.

Alles in Allem hört sich dies hier viel an, aber mit der Zeit entwickelt sich eine gewisse selbstverständliche Routine über die man irgendwann gar nicht mehr nachdenken muss. Wirklich, ich spreche aus eigener Erfahrung. Man kann auch mit Histaminintoleranz gut leben und sein Verträglichkeitslevel etwas ausdehnen, wenn man oben genannte Tipps befolgt.

Was sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie gerne Ihre Tipps in die Kommentare!

Bildquellen: Anke Komorowski, Copyright 2017

LINKS:

(1) http://www.histaminintoleranz.ch/de/downloads.html

(2) https://ernaehrungsbausteine.de/warum-verbotslisten-bei-nahrungsmittelintoleranzen-nur-ein-teil-des-puzzles-sind/