AIP- Mein Interview bei Podiom

Im Internet liest man immer wieder vom Autoimmunprotokoll, es wird in Gesundheitsgruppen empfohlen, diskutiert und viele Rezepte auf Blogs und Pinterest sind plötzlich mit dem Kürzel „AIP“ gekennzeichnet.

Doch was ist es jetzt genau, was kann es, und ist es für mich wirklich geeignet?

In diesem Zusatzartikel zu meinem Interview  bei der Podiom Autoimmun Woche vom 16.4.2021 bis 25.4.2021  (Affiliatelink) möchte ich einmal Licht in das Dunkel bringen.

Affiliatelink zum kostenlosen Kongress – Hier Klicken

Wer ist „ich“? „Ich“ bin Anke Komorowski, Ernährungsberaterin BTB und selbst mit einigen Nahrungsmittelintoleranzen und der Autoimmunerkrankung Hashimoto „gesegnet“. Ich habe meinen Beruf nicht zuerst gelernt und mich dann selbst behandelt, sondern ich bin den umgekehrten Weg gegangen. Ich habe zuerst unzählige Dinge ausprobiert und bin dann auf das Autoimmun Protokoll Paleo, sprich AIP, gekommen. Dieses Protokoll war mit anderen Meilensteinen ein besonderer Punkt auf meinem Weg zu deutlich verbesserter Gesundheit.

Erst danach habe ich noch den Ernährungsberater beim BTB gemacht, um meine praktischen Erfahrungen auch noch mit einem theoretischen Fundament zu versehen.

Allerdings ist das AIP kein Ernährungsprotokoll, das offiziell gelehrt und empfohlen wird. Dazu ist es in seiner Entstehung und Ausarbeitung noch zu jung und deshalb nicht anerkannt. Man führt es also in reiner Selbstverantwortung durch.

Für das AIP sprechen unzählige positive Erfahrungsberichte. Menschen, die in den herkömmlichen Ernährungsrichtlinien keine Hilfe gefunden haben, sind in der Regel experimentierfreudig und übernehmen die Verantwortung für ihren Körper selbst. Wer kann einem schon besser mitteilen, ob man ein Lebensmittel verträgt als der eigene Körper? Ich fand es enorm wichtig, wieder auf diese Stimme zu hören, nachdem es mir unter jahrelanger Vollwertkost nach Bruker und später unter veganer Ernährung zunehmend schlechter ging.

 

Also, los geht’s, was ist das AIP jetzt?

Das AIP hat sich aus der Paleoernährung entwickelt, deren Hauptgründer Dr. Loren Cordain war. Schon er hat darauf hingewiesen, dass Lebensmittel wie Getreide, Kartoffeln und Tomaten, also Nachtschattengewächse, für Menschen mit Autoimmunerkrankungen kontraproduktiv sein können. Weiter ausgeführt wurden diese Erkenntnisse dann von Robb Rolf, einem Vorreiter der Paleoernährung.

Dr.Sarah Ballantyne ist schließlich mit dem Buch (Achtung! Werbung!) „Die Paläo Therapie“, durch die Sichtung etlicher Studien und aufgrund eigener Betroffenheit das Grundlagenwerk zum AIP zu verdanken. Hier wird bis ins kleinste Detail und doch allgemeinverständlich erklärt, wie die Zusammenhänge zwischen Darmgesundheit, Autoimmunerkrankungen und Ernährung zustande kommen. Das verbindende Stichwort ist hier das sogenannte „Leaky Gut Syndrom“, eine mögliche Ursache für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen, die zunehmend verifiziert wird.

 

Das Autoimmunprotokoll Paleo ist eine Eliminationsdiät, bei der über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen bis ca. 12 Wochen folgende Lebensmittelgruppen weggelassen werden:

  • Alle Getreideprodukte: Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Kamut, Einkorn, Emmer, Hafer, Reis…
  • Alle Milchprodukte: Alles aus Kuh- oder anderer Tiermilch
  • Alle Nachtschattengewächse: Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Auberginen….
  • Alle Nüsse, Saaten und deren Öle: Sesam, Sonnenblumenkerne, Hanfsaaten, Gewürze aus Saaten wie Fenchel und Kümmel, Mandeln, Haselnüsse, Paranüsse….
  • Alle Leguminosen: Erbsen, Bohnen, Linsen, Sojaprodukte, Erdnüsse, Kichererbsen….
  • Alle Pseudogetreide: Amaranth, Hirse, Quinoa, Mais, Buchweizen…..
  • Alle Eier aller Tierarten
  • Alle Zuckerzusätze, Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe,
  • Obst sollte nur unter 20 g Fructose pro Tag verzehrt werden
  • Fertiggerichte und Dosennahrung sollte vermieden werden.
  • Alkohol sollte vermieden werden
  • Farb- und Zusatzstoffe in Fertigprodukten
  • Hochverarbeitete Pflanzenöle: Distelöl, Maiskeimöl, Rapsöl, Sonnenblumenkernöl…
Und ja, man kann unter dem AIP wirklich noch etwas essen!
Es bleiben übrig:
  • Eine Vielzahl an Gemüsen und Salaten
  • Obst, solange man unter 20g Fruktose am Tag bleibt
  • Fette wie natives Kokosöl, Avocadoöl, Schmalz, Talg, Olivenöl…
  • Milchsauer eingelegtes Gemüse und Getränke: Sauerkraut, Kombucha, Kokosmilchkefir, Kokosmilchjoghurt…
  • Schnittkräuter
  • Pilze
  • Fisch aus Wildfang
  • Meeresfrüchte
  • Fleisch aus Weide- oder Wildhaltung, „from nose to tail“, es werden hier sowohl Knochen, wie Innereien eingesetzt

Mittlerweile gibt es vielerlei AIP geeignete Rezepte im Netz.

Wichtig ist, dass man sich ein Minimum an Zeit zum Kochen, Vorbereiten und Essen nehmen sollte. AIP ist zuerst einmal zeitaufwändig. Aber wie bei jeder neuen Ernährungsform arbeitet man sich ein und es wird danach einfacher.

Ein großer Schwerpunkt wird bei dieser Ernährung darauf gelegt, dass die Lebensmittel nährstoffdicht sind, d.h. es geht darum möglichst viele unterschiedliche Nährstoffe aufzunehmen und möglichst frisch, saisonal und mit hoher Qualität zu essen.

Letztlich hat das AIP den Zweck, den Körper durch die Elimination der Hauptallergene und Hauptreize für das Leaky Gut Syndrom zu beruhigen. Er kann dann wieder wirklich auswählen und anzeigen, was er verträgt und was nicht.

Die Entzündungsneigungen gehen zurück, das Immunsystem ist nicht mehr überaktiv in Hab-Acht-Stellung und Autoimmunerkrankungen haben eine Chance zum Stillstand zu kommen.

Diese Sortierungsphase dauert je nach Beschwerdebild vier bis zwölf Wochen. Danach sollte sich eine Besserung des Befindens gezeigt haben. Ist dies nicht der Fall, sollte man überlegen, ob eine andere Ernährungsform für einen geeigneter ist, oder ob noch andere unbehandelte Gebiete vorliegen, die durch das AIP nicht abgedeckt werden.

Gibt es diverse Verbesserungen, wie z.B. weniger Blähungen, mehr Wohlgefühl, mehr Energie, weniger Hauterscheinungen, können Lebensmittel einzeln allmählich wieder eingeführt werden. Dabei dürfen Allergiker keinesfalls Lebensmittel einführen, auf die sie schon vorher allergisch getestet wurden. Dies darf nur unter Aufsicht eines Arztes gemacht werden.

Wenn es nicht um echte Allergien geht, sondern um allgemeine Intoleranzen, wird vorsichtig versucht ein Lebensmittel wieder einzuführen. Dabei gibt Sarah Ballantyne, sie hat das AIP im Detail ausgearbeitet,  einen Stufenplan vor, bei dem Eigelb, Samengewürze und Hülsenfrüchte mit essbaren Schalen auf Stufe 1 stehen und Milchprodukte und Nachtschattengewächse auf Stufe 4. Man kann sich aber auch von seinen eigenen Vorlieben leiten lassen, wobei komplexe Fertiggerichte natürlich weiterhin ausgeschlossen sind.

Die Wiedereinführungsphase ist genauso wichtig wie die Eliminationsphase. Das Ziel im AIP liegt schließlich darin, seine für sich individuell verträgliche und nährstoffreiche Ernährung zu finden.

In der Regel dauert die Wiedereinführungsphase deutlich länger als die Eliminationsphase. Dies sollte man im Vorfeld in seinen Planungen berücksichtigen.

 

Für wen ist das AIP nicht geeignet, wo sollte man aufpassen?

Natürlich sollten kranke Menschen einen erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker zur Begleitung haben. Treten unbekannte starke Symptome unter dem AIP neu auf, bzw. verschlechtern sich bekannte Symptome, muss man den Arzt oder Heilpraktiker konsultieren.

Das AIP hat als einzige, wirkliche Eiweißquelle nur Fleisch und Fisch. Es ist daher für Vegetarier und Veganer nicht geeignet, da ihnen hier zu viele Nährstoffe fehlen und es zu ungewolltem Muskelabbau kommen kann. Das AIP ist möglich mit nur Fisch und Meeresfrüchten, allerdings sollte dabei beachtet werden, dass dann die Quecksilberbelastung sehr hoch gehen kann.

Wer unter dem AIP sehr stark ab- oder zunimmt, muss seine Ernährung detailliert überprüfen. Starke Gewichtsab- oder Zunahmen sind nicht Ziel des AIP. Das AIP ist keine Diät im herkömmlichen Sinne, hier kommt es immer zur Begriffsverwirrung, weil in der Umgangssprache das Wort „Diät“ mit Gewichtsverlust gleichgesetzt wird. Es bedeutet aber eigentlich „Ernährungsform“.

Es darf keinesfalls zu wenig gegessen werden. Dies fällt zwar vielen am Anfang leicht, aber man beraubt sich damit der Chance auf eine gute Nährstoffversorgung und mehr Wohlgefühl.

Es gelten die Prinzipien der Paleoernährung, d.h. gesättigte Fette gelten nicht per se als ungesund. Dazu gibt es mittlerweile etliche Studien.

Obst und Gemüse sollten -wenn möglich- frisch, bevorzugt regional, und aus biologischem Anbau stammen, um Schadstoffbelastungen zu vermeiden.

Fleisch sollte nicht aus Massentierhaltung, sondern aus Weidetierhaltung oder Wildfang stammen. Fisch sollte ebenso aus Wildfang stammen. Dies ist wichtig, weil Fleisch und Fisch somit eine bessere Fettsäurezusammensetzung haben, einmal ganz abgesehen vom Tierschutz.

Das AIP ist trotz seiner Eingeschränktheit vielfältig genug, um es in sowohl ketogen, kohlenhydratreduziert, mit einer normalen Menge Kohlenhydraten, als auch histaminarm zu machen.

Das AIP ist keine fettarme Ernährung. Hierbei werden die größten Fehler gemacht.

Leute mit schwerer Fruktose-Sorbit und/oder Salizylatintoleranz oder mit starken Reaktionen auf Lektine können aufgrund der großen Gemüsemenge Probleme bekommen.

Das AIP ist laktosefrei, milchfrei, glutenfrei, getreidefrei und ist somit in diesen Bereichen problemlos durchführbar.

Echte Allergien und Kreuzallergien müssen immer berücksichtigt werden, auch wenn die entsprechenden Nahrungsmittel im AIP erlaubt sind.

Es gibt einige verwandte Ernährungsformen, die, im Unterschied zum klassischen AIP nach Dr. Sarah Ballantyne, ihre Schwerpunkte unterschiedlich legen. Dazu gehören die GAPS Diät nach Dr. Natasha Campbell Mc Bride und das Wahls Protokoll nach Dr. Terry Wahls.

Zugegeben, das AIP ist nicht ohne Aufwand und lässt sich auch nicht nebenbei durchführen. Aber es kann für viele die grundlegende Basis bilden, eine individuell angepasste Ernährung zu finden, die eine Basis für andere aufbauende Therapien bilden kann. Für mich war es so.