Warum Verbotslisten bei Nahrungsmittelintoleranzen nur ein Teil des Puzzles sind

Verbotslisten bei nahrungsmittelintoleranzen

Warum es mehr als eine Verbotsliste braucht um die Lebensqualität zu steigern

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Verbotslisten bei Nahrungsmittelintoleranzen – Eine einseitige Sichtweise

Heute geht es um die einseitige Sicht auf Verbotslisten für Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen, aber auch für Menschen, die das AIP (Autoimmun Protokoll Paleo) machen wollen. Ich möchte Ihnen weiterführende Wege und eine differenziertere Betrachtungsweise nahebringen, damit Sie so vielfältig, wie nur möglich essen können.

Egal ob eine Laktose-, Fruktose-, Histamin- oder Was-auch-immer-Intoleranz diagnostiziert wird, der Ablauf ist in der Regel immer gleich.

Entweder wird dem Patienten schon in der Arztpraxis eine Liste mit nun verbotenen Lebensmitteln in die Hand gedrückt oder er wird gleich auf das Internet verwiesen. Wer Glück hat bekommt die Information, dass man eine Ernährungsberatung aufsuchen kann und/oder dass eine Karenzzeit mit nachträglichen Wiedereinführungen eingehalten werden soll. Wird dies auch weiterhin begleitet, stehen die Chancen gut, dass es nicht zu folgendem Szenario kommt.

Wie zuerst genannt,  ging es mir vor einigen Jahren mit der Feststellung meiner Laktoseintoleranz. Mir wurde die Diagnose mitgeteilt und damit war ich als Fall für meine damalige Ärztin erledigt. Auch bei der Feststellung meiner zusätzlichen Fruktoseintoleranz bei einem anderen Arzt ging es mir kaum anders. Ich bekam immerhin eine kurze Verbotsliste und die Information „Suchen Sie sich weitere Informationen im Internet zusammen!“

Da meine Arztliste nur ein paar Lebensmittel enthielt, suchte ich tatsächlich im Internet und fand dort vielerlei Informationen und auch mehrere besagte Listen. Ich druckte sie mir aus und versuchte sie geradezu auswendig zu lernen, denn ich hatte Leidensdruck und wollte, dass es mir endlich besser ging. Nur am Rande bemerkte ich, dass einige Listen Graustufen enthielten, ich war schlichtweg überfordert und konnte nur in „Erlaubt“ und „Verboten“ denken.

Ich versuchte meine Ernährung entsprechend umzustellen.

  • Ich las das Kleingedruckte auf allen Produkten, die ich kaufte (und stellte fest, dass es Zeit für eine Lesebrille war)
  • Ich suchte und fand Internetshops, die Ersatzprodukte für meine herkömmlichen Nahrungsmittel anboten
  • Ich klapperte alle Supermärkte in der weiteren Umgebung ab, um an laktosefreie Produkte zu kommen.
  • Ich versuchte meine gewohnten Rezepte an die Unverträglichkeiten anzupassen
  • Ich strich sehr viele Lebensmittel komplett aus meiner Ernährung und reduzierte Obst und Gemüse sehr stark

 

Für viele ist dies ein erfolgreiches Vorgehen und sie erfahren dadurch wirklich schon Besserung ihrer Symptome.

Andere, wie ich, spüren zwar Besserung, aber haben keinen durchschlagenden Erfolg. Eine Unverträglichkeit kommt selten allein, zu Verbotsliste 1 und Verbotsliste 2 gesellt sich gerne Verbotsliste 3 und man erstellt daraus seine persönliche Verbotsliste 4. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Lebensmittelauswahl in der Regel stark reduziert.

Wird man bei Einladungen gefragt „Darfst Du das essen?“, muss man in der Regel mit „Nein“ antworten.

Nahrungsmittel werden nicht nur in „Erlaubt“ oder „Verboten“ eingeteilt, manche sprechen auch von „guten“ und „bösen“ Lebensmitteln.

Viele fühlen sich von ihrem sozialen Umfeld isoliert und der Verzicht auf das gewohnte Essen macht traurig.

Verbotslisten führen zum Denken in Kategorien

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„Jede Intoleranz hat einen persönlichen Spielraum und eine Ursache“

 

Spielräume austesten

So gut wie Verbotslisten sind, um einen Überblick zu bekommen, so wichtig ist es aber auch, sich von Anfang an klar zu machen, dass jede Intoleranz einen persönlichen Spielraum und auch eine bestimmte Ursache hat.

Das Austesten des persönlichen Spielraumes ist ein wichtiger zweiter Schritt nach der Diagnose und gleichwertig zur Eliminationsphase/Karenzzeit.

Dieses Austesten kann durchaus mühselig werden, aber das Ziel sollte ja nicht “Ich darf so gut wie gar nichts mehr essen!“, heißen, sondern sollte“ Ich esse das, was meinem Körper und mir gut tut!“ lauten.

Um möglichst viele unterschiedliche Nährstoffverbindungen trotz Intoleranzen aufnehmen zu können, muss ich meinen persönlichen Spielraum austesten.

Dies fällt Leuten, die zu lange in „Gute Lebensmittel – Böse Lebensmittel“ gedacht haben, oft sehr schwer. Lebensmittel, deren Verträglichkeitsspielraum ausprobiert werden soll, haben nun das Label „Böse“. Isst man es in geringen Mengen, um es auszutesten, kann es zu Angst und Stresssymptomen kommen. Dies merkt sich unser Gehirn und der Körper reagiert mit Unwohlsein.

Daher ist es so wichtig von Anfang an Lebensmittel nicht komplett zu verdammen. Lebensmittel sind nicht per se „Gut“ oder „Böse“, sondern sie sind „für mich persönlich geeignet/weniger geeignet/eingeschränkt geeignet/ungeeignet“. Sie haben einen Spielraum, (ja, sie dürfen mit Ihrem Essen spielen!), und in einem gewissen Rahmen erhöht sich die Vielfalt Ihrer Nahrungsmittel und das Lebensgefühl.

 

Ursachensuche

Intoleranzen werden oft der Genetik und dem Alter zugeschrieben und damit wird eine Ursachensuche als unnötig und sinnlos dargestellt.

Wer aber mehrere Intoleranzen in einem Zeitraum von ein paar Jahren entwickelt und vielleicht dazu noch Hauterscheinungen, Autoimmunerkrankungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit aufweist, sollte weiter denken.

Das gemeinsame Zentralorgan zu diesem Thema ist der Darm. Hier wird die Nahrung verdaut, in ihre Einzelteile zerlegt und weitergeleitet. Hier befindet sich auch ein großer Teil, der für unser Immunsystem verantwortlich ist.

Dieser Teil ist störanfällig und hier gilt es anzusetzen. Ob Dysbiosen, Leaky Gut, vorausgehende Antibiotikatherapien, Parasiten, Pilze, chronische Entzündungen ect. vorliegen, kann abgeklärt und behandelt werden. Damit gibt es eine Chance, dass sich Nahrungsmittelintoleranzen bessern oder bestenfalls auch ganz verschwinden.

Auf Magen- und Darm spezialisierte Ärzte und Heilpraktiker sind hier eine gute Anlaufstelle. Viele Selbsthilfeforen im Internet oder Selbsthilfegruppen auf Facebook haben Listen mit von Mitgliedern empfohlenen Ärzten oder Heilpraktikern.(1)

 

Nährstoffdichte

Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte sind Lebensmittel, die eine hohe Anzahl an Mineralstoffen, Vitaminen und anderen lebenswichtigen Stoffen enthalten. Je mehr Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte ich essen kann, desto einfacher ist es für meinen Körper seinen Bedarf an ihnen zu decken.

Daher ist es besonders kritisch, solche Lebensmittel komplett aus dem Speiseplan zu streichen.

Aber diese Nährstoffdichte hat auch noch etwas Besonderes. Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte enthalten die unterschiedlichsten Verbindungen an entzündungshemmenden und antioxidativen Stoffen, die unser Körper braucht, um gesund zu bleiben oder zu werden.

Im Beispiel der Histaminintoleranz kann es daher sein, dass ein Lebensmittel, was gemieden werden soll, weil es Histamin enthält, gleichzeitig viele Stoffe enthält, die die DAO und damit den Histaminabbau im Darm fördert. Oder das Lebensmittel enthält gleichzeitig Stoffe, die die Histaminausschüttung der Mastzellen bremst. Viele Zusammenhänge sind da noch gar nicht erforscht, aber es gibt Hinweise darauf, dass besonders das Meiden von vielfältigem, nährstoffdichtem Gemüse kontraproduktiv für unsere Gesundheit ist. (2)

Ein Grund mehr seine individuelle Verträglichkeit insbesondere für nährstoffdichte Lebensmittel auszutesten und keine Angst vor ihnen zu haben.

Es sind mehrere Schritte zur Besserung

Mehrere Faktoren sind wichtig

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Zusammengefasst kann man sagen:

  • Verbotslisten bei Nahrungsmittelintoleranzen sind nur ein Baustein in der Behandlung
  • Nahrungsmittel mit dem Label „Gut“ oder „Böse“ zu belegen, kann zu einer unnötig starken Einschränkung an Lebensmitteln führen und die Lebensqualität stark einschränken
  • Die Wiedereinführungs- und Testphase ist genauso wichtig wie die Karenz- oder Eliminationsphase.
  • Die Punkte „Spielräume austesten“, „Ursachensuche/weitergehende Behandlung“ und „Nährstoffdichte“ können die Lebensqualität und das Körpergefühl stark verbessern und Symptome lindern.
    Das Puzzle fügt sich zusammen

    Alle Komponenten zusammen können die Lebensqualität steigern

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Wie ist es Ihnen ergangen, können Sie mit meinen Erfahrungen und Vorschlägen etwas anfangen?

Ging es Ihnen auch so oder war alles optimal bei Ihnen?

Haben Sie Fragen?

Welches sind Ihre besten Tipps im Umgang mit Nahrungsmittelintoleranzen und Verbotslisten?

Ich freue mich auf Kommentare unter diesem Beitrag!

 

(1)Links zu Büchern: http://www.aerzteverlagshaus.at/verlagsprogramm/einzelansicht/products/darm-krank-alles-krank/backPID/verlagshaus.html

 

(2) YouTube Video auf Englisch: https://www.youtube.com/watch?v=ZNyc_V9nx8k

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